Ein Baukasten ist ein großartiger Einstieg: Am Nachmittag steht eine Website, und niemand muss Code verstehen. Das ist keine Kritik – genau dafür gibt es Wix, Jimdo, Squarespace und das Baukasten-Angebot von IONOS. Ärger entsteht später, meist dann, wenn aus der Visitenkarte ein Werkzeug werden soll, das Kunden bringt. Nach über 15 Jahren im Webdesign kenne ich die vier Stellen, an denen Unternehmen früher oder später ins Stolpern kommen.
Die Ladezeit gehört dir nicht
Beim Baukasten baust du keine Website, du bedienst einen Editor. Was darunter an Skripten, Stilen und Technik läuft, bestimmt der Anbieter. Du kannst Bilder verkleinern und Elemente streichen – aber nicht ausmisten, was der Baukasten selbst mitlädt. Das merkst du spätestens im PageSpeed-Test von Google ↗ auf dem Handy: Ob dort alles grün wird, entscheidest nicht mehr du allein.
Zum Vergleich: Diese Website lädt ein Stylesheet, ein kleines Skript, die Bilder der Seite – und die cookielose Statistik von meinem eigenen Server. Keine Webfonts, keine Fremdskripte, kein Gerüst für Funktionen, die du nie nutzt.
Der Cookie-Banner ist nur das Symptom
Ein Cookie-Banner ist keine Strafe für Websites, sondern die Folge dessen, was auf ihnen läuft. Die entscheidende Frage lautet: Wird auf dem Gerät deines Besuchers etwas gespeichert oder ausgelesen, das nicht zwingend nötig ist? Statistik-Cookies, Marketing-Pixel, eingebettete Videos, Karten oder Chat-Widgets von Google, Meta & Co. lösen genau das aus. Dann brauchst du eine Einwilligung – und damit einen Banner samt erweiterter Datenschutzerklärung. Ähnliches gilt für Dienste, an die Daten deiner Besucher fließen, ohne dass etwas gespeichert wird, etwa Schriften oder Karten von fremden Servern: Auch dafür brauchst du eine Rechtsgrundlage.
Im Baukasten ist jedes dieser Dinge einen Klick entfernt. Der Banner löst das Problem nicht, er verwaltet es. Meine Website hat keinen, weil sie nichts davon einsetzt: keine Cookies, keine Tracker von Drittanbietern, keine Schriften oder Videos von fremden Servern. Die Reichweitenmessung läuft cookielos auf meinem eigenen Server. Wo nichts gespeichert wird und nichts an Dritte fließt, gibt es nichts zu erlauben. Das ist keine Rechtsberatung, aber ein Prinzip, das viel Ärger spart.
Wer ohne Banner auskommen will, braucht Alternativen: cookielose Statistik auf dem eigenen Server, Karten als Link statt Einbettung, Schriften vom eigenen Server statt von Google.
Der Moment, in dem die Website nicht mehr dir gehört
Er kommt meistens so: Du willst etwas, das der Baukasten nicht vorsieht – eine Schnittstelle zur Warenwirtschaft, eine saubere Mehrsprachigkeit, einen Konfigurator. Oder dir ist der Tarif nach drei Jahren zu teuer. Also fragst du: Kann ich meine Website einfach woanders hinstellen?
Die Antwort steht in den Hilfeseiten der Anbieter. Wix schreibt, dass die Website auf den Servern von Wix laufen muss, weil Wix eine SaaS-Lösung ist (Wix-Hilfe ↗). IONOS schreibt, dass mit dem eigenen Baukasten erstellte Projekte aus technischen Gründen nicht außerhalb der IONOS-Infrastruktur betrieben werden können (IONOS-Hilfe ↗, auf Englisch). Mitnehmen kannst du Texte, eigene Bilder und die Domain. Nicht mitnehmen kannst du die fertige Website mit ihrem Design und ihren Funktionen. Und bei Bildern aus dem Bildpool des Anbieters sind die Lizenzen laut IONOS in der Regel nicht übertragbar.
Deine Inhalte gehören dir, das sagt auch Wix. Mit der Website, so wie sie im Netz steht, bist du aber Mieter in fremdem Haus – und der Vermieter bestimmt Preis und Regeln. Fachleute nennen das Vendor-Lock-in: Du bist an den Anbieter gebunden, weil deine Arbeit in seinem System steckt – und ein Wechsel heißt, neu zu bauen.
Rechne mit fünf Jahren, nicht mit dem ersten Monat
Ein Baukasten wirbt mit dem Monatspreis. Rechne stattdessen den Tarif, den du wirklich brauchst – mit eigener Domain, mehr Seiten, Shop oder Buchung und Zusatz-Apps –, mal 60 Monate. Am Ende gehört dir davon nichts außer deinen Texten und Bildern. Eine individuell gebaute Website hat einmalige Aufbaukosten, dazu laufend Hosting, Domain und bei Bedarf Pflege. Rechne beide Seiten über fünf Jahre durch: Welche Variante günstiger ist, hängt von deinem Fall ab. Wichtig ist, dass du den Vergleich über mehrere Jahre machst und nicht über den Einstiegspreis.
Wann ein Baukasten trotzdem richtig ist
Für einen Test, eine Veranstaltung, einen Verein ohne Budget oder eine Idee, die du in einer Woche prüfen willst, ist ein Baukasten eine gute Wahl. Ich rate nicht ab. Ich rate zum Wechsel, bevor die Website Teil deines Geschäfts wird: wenn sie Kunden bringen soll, Daten verarbeitet, mit anderen Systemen sprechen muss oder wächst.
Fünf Fragen vor dem Start – oder vor dem Wechsel
- Kann ich die fertige Website woanders betreiben – oder nur Texte und Bilder mitnehmen?
- Was kostet der Tarif in fünf Jahren, mit Domain, Apps und den Funktionen, die ich später brauche?
- Welche Dienste von Drittanbietern lädt meine Seite – und braucht sie dafür ein Cookie-Banner?
- Wie schnell lädt sie auf dem Handy, und was kann ich daran selbst ändern?
- Wer hilft mir, wenn etwas nicht geht – und kennt dieser Mensch meine Website?
Wenn du gerade vor dem Wechsel stehst: Auf der Seite Alternative zum Baukasten steht, wie ein Umzug bei mir abläuft – mit Weiterleitungen, damit dein Ranking möglichst erhalten bleibt. Oder schreib mir einfach: Das kostenlose Erstgespräch ist unverbindlich.
Stand der verlinkten Hilfeseiten: Oktober 2026.